DS-Kurs besucht „Herr Biedermann und die Brandstifter“ im Stadttheater Koblenz

„Gleichzeitig beweist dieses Puppenspiel, dass diese Kunstform lange nicht mehr nur Unterhaltung für Kinder ist, sondern ebenso für Jugendliche und Erwachsene. Die spezielle Form der Koruna Puppe, die es am Theater Koblenz so noch nicht gegeben hat, bereichert einmal mehr das ohnehin vielfältige Spektrum von Handpuppen, Fingerpuppen, Marionetten, Masken, Figuren und vielem mehr.

Als Burleske skizziert Max Frisch seine Geschichte von Herrn Biedermann und den Brandstiftern in den Tagebüchern 1946 bis 1949. Ein paar Jahre später macht er daraus ein Hörspiel und verfasst schließlich 1957 bis 1959 das Theaterstück, das ein Lehrstück ohne Lehre sein soll. Hier beginnt zu stutzen, wer Max Frisch durch Schullektüren wie „Andorra“ oder „Homo Faber“ kennengelernt hat: Dieser Max Frisch schreibt eine Komödie und verzichtet auf jegliche Lehre? Das möchte ich mir genauer ansehen!

Die Bühne ist schlicht gehalten. Mit Hilfe weniger Mittel teilt sie sich sichtbar in ein Wohnzimmer und einen leeren Raum, den Dachboden, auf. Ein Monitor springt an und ein Moderator erscheint. Er kündigt Herrn Biedermann an und führt mit diesem ein Interview über die Katastrophe, er greift das Ende des Abends voraus: Wir wissen nun, wohin uns der Abend führt, und dass Herr Biedermann in das Ergebnis verstrickt ist.

Dann nimmt die Handlung ihren Lauf, die schnell zusammengefasst ist: Herr Biedermann flucht über die Brandstifter, die sich reihenweise mit immer demselben Trick auf den Dachböden der Häuser einnisten und diese anzünden. Gleichzeitig gewährt er einem Fremden Obdach auf seinem eigenen Dachboden. Seine Ehefrau ist außer Haus. Außerdem hat er gerade einen Mitarbeiter gefeuert und beruhigt sein schlechtes Gewissen damit, dass er einem Fremden Menschlichkeit zollt. …

Dieses skurrile epische Theater überbietet sich selbst durch die Puppen, mit denen es gespielt wird. Für diese Inszenierung werden die Puppenspieler selbst zur Puppe: Sie tragen große geschnitzte Puppenköpfe wie Kronen auf ihren eigenen Köpfen, was eine besondere Bewegungsform erfordert. Der Kopf des Puppenspielers ist der Hals der Puppe. Der Oberkörper der Puppe ist künstlich auf die Schultern des Spielers aufgebaut. „Koruna Puppe“ nennt sich diese spezielle Form, das tschechische Wort „Koruna“ bedeutet „Krone“. Durch diese riesigen, lebhaften Puppen mit ihren merkwürdigen Proportionen und Bewegungsabläufen wird das Geschehen auf der Bühne zusätzlich optisch verzerr. Das skurrile Element wird perfekt.“

So wird das Stück von Natalie Thomann in der Seitenbühne, dem Blog für das Koblenzer

Theater, angekündigt. Wir werden (es) sehen.

Ursula Hartmüller                                                

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